
Andrea Mašek, Museum der Kulturen Basel:
(German text to follow)
“There is much more to our collection objects than is visible to the naked eye. The artist Shiva Lynn Burgos brings this to light using old photographic techniques and creates fascinating works of art.
We are standing in a darkened room in the museum’s storage depot. While one work of art is being created under ultraviolet (UV) light, Shiva Lynn Burgos paints a sheet of paper with a special green pigment using a thick brush.

“This step I have to do almost in the dark,” says the artist, adding, “For me, it’s like an experiment.” She improvises, sometimes filling the sheet completely with colour, sometimes leaving white borders. Afterwards, the sheets have to dry overnight in the dark.
Under UV light
About ten minutes before, she placed a foil on such a sheet and then a headdress made of heron feathers and a bamboo stem from the MKB collection. It comes from Washkuk, Papua New Guinea, and was brought to the museum by Alfred Bühler in 1956.

Glass goes on top of it. Burgos has around 20 seconds each time to place the objects correctly in a flat metal box. Then she has to slide the wooden panel with the UV lights over it.

This wooden panel with the UV lights is then placed on top of the box containing the objects.

We all wear sunglasses for protection as the UV light is supposed to imitate strong sunlight. The paper and the object are irradiated for twelve minutes. Earlier experiments this morning have shown that this is the ideal time.
When the stopwatch rings, the artist removes the glass, object and foil and puts the sheet of paper, which is now dark green, into a black plastic bag. She carries it into the restoration studio.

Burgos’ colleague, Betsy Green is waiting there, having prepared a bath of water and vinegar. She swings the paper back and forth in it for a few minutes. The colour slowly changes to cyan and the contours of the object crystallise. It is like a photograph.
Green knows from experience when it’s time to take the artwork out of the vinegar bath and rinse it with water for a longer time: “I can tell by the white and the colours.”

Under the water, the whole sheet turns blue. Here, too, it is important to catch the right moment when to stop, before all the chemicals are washed out. Both women confirm that although science and chemical processes are taking place, a lot is done purely by feel.

Now the artwork is hanging on the clothes drying rack. Burgos eyes it very closely. She thinks the exposure time was perfect. “Look how the object became multidimensional, how we brought it to life. Working with these objects brings out their secrets.”
Alternative photographic techniques
Burgos and Green will continue to create such artworks for another two weeks. Burgos calls the project “Shadow Energies.” As artists in residence at MKB, they should produce around 100 images.
Ten to twenty a day, they say. Maybe they’ll try sunlight instead of UV light. They are enthusiastic about the museum, the rooms, the infrastructure and the collection.
Burgos has been working with alternative photography techniques for nearly three decades, with one of the oldest photographic processes, the over 180-year-old iron blue print (cyanotype), along with other methods.
At the same time, she co-founded the Mariwai Project. This involves an artistic and cultural exchange with the Kwoma people of Mariwai, in Papua New Guinea”.

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Die Aura sichtbar machen

Andrea Mašek, Museum der Kulturen Basel:
“In unseren Sammlungsobjekten steckt viel mehr als von blossem Auge sichtbar ist. Die Künstlerin Shiva Lynn Burgos bringt dies mit alter Fototechnik ans Licht und kreiert faszinierend Kunstwerke.
Wir stehen in einem abgedunkelten Raum im Depot des Museums. Während ein Kunstwerk unter UV-Licht entsteht, bemalt Shiva Lynn Burgos mit dickem Pinsel einen Bogen Papier mit einer speziellen hellgrünen Farbe.

«Dies muss ich ebenfalls fast ohne Licht machen», sagt die Künstlerin und fügt an: «Für mich ist das wie ein Impromptu.» Sie improvisiert, mal füllt sie das Blatt völlig mit Farbe, mal lässt sie weisse Ränder stehen. Im Anschluss müssen die Bögen mindestens eine Nacht trocknen, im Dunkeln.
Unter UV-Licht
Auf solch ein Blatt hat sie vor rund zehn Minuten eine Folie und dann einen Kopfschmuck aus Reiherfedern und Bamubusstiel aus der Sammlung des MKB gelegt. Er stammt aus Washkuk, Papua-Neuguinea, und wurde durch Alfred Bühler 1956 ins Museum gebracht.

Darüber kam Glas. Rund 20 Sekunden Zeit hat Burgos jeweils, um die Objekte in einem blechernen Behälter richtig zu platzieren. Dann muss sie die Platte mit dem UV-Licht drüberschieben.


Wir alle tragen Sonnenbrillen. Das UV-Licht soll Sonnenlicht imitieren. Zwölf Minuten lang werden Papier und Objekt bestrahlt. Frühere Versuche an diesem Morgen haben gezeigt, dass dies die ideale Zeit ist.
Als die Stoppuhr klingelt, entfernt die Künstlerin Glas, Objekt und Folie und packt den Bogen Papier, der nun Dunkelgrün ist, in einen schwarzen Plastiksack. Diesen trägt sie ins Restaurierungsatelier.

Dort wartet Betsy Green, die zuvor ein Bad aus Wasser und Essig vorbereitet hat. Darin schwenkt sie das Papier hin und her, ein paar Minuten lang. Die Farbe wechselt langsam zu Türkis und die Konturen des Objekts kristallisieren sich heraus. Wie bei einer Fotografie.
Green weiss aus Erfahrung, wann es Zeit ist, das Kunstwerk aus dem Essigbad zu nehmen und es längere Zeit mit Wasser abzuspülen: «Ich sehe es am Weiss und an den Farben.»

Unter dem Wasser wird das Ganze blau. Auch hier gilt es den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, wann Schluss sein muss – bevor die ganze Chemie ausgewaschen wird. Beide Frauen bestätigen, dass zwar einige chemische Prozesse ablaufen, aber vieles rein nach Gefühl geht.

Nun hängt das Kunstwerk am Wäscheständer zum Trocknen. Burgos beäugt es ganz genau. Sie meint, die Belichtungszeit sei perfekt gewesen. «Schauen Sie, wie das Objekt mehrdimensional wurde, wie wir es zum Leben erweckt haben. Mit Objekten zu arbeiten, bringt deren Geheimnisse an den Tag.»
Alternative Fototechniken
Burgos und Green werden noch zwei Wochen solche Kunstwerke kreieren. Burgos nennt das Projekt «Shadow Energies». Als «Artists in Residence» am MKB dürften sie um die 100 Bilder produzieren.
Zehn bis zwanzig pro Tag, sagen sie. Vielleicht versuchen sie es auch mal mit Sonnen- anstatt UV-Licht. Sie zeigen sich begeistert über das Museum, die Räumlichkeiten, die Infrastruktur und die Sammlung.
Seit drei Jahrzehnten beschäftigt sich Burgos mit alternativen Fotografietechniken. U.a. mit einem der ältesten fotografischen Verfahren, dem über 180-jährigen Eisenblaudruck (Cyanotype).
Fast gleichzeitig hat sie das Mariwai-Projekt mitbegründet. Dieses beinhaltet den künstlerischen und kulturellen Austausch mit den Kwoma in Mariwai, in Papua-Neuguinea.

Burgos hat festgestellt, dass die Kunst der Kwoma und ihre Kunst Gemeinsamkeiten haben: bei beiden geht es ums «Waschen». Kunst bei den Kwoma ist verbunden mit dem rituellen Reinigen von Objekten, um die Energie der Geister und Ahnen zu wecken.
Die Künstlerin zeigt an diesem Morgen ein paar der Kunstwerke des Mariwai-Projekts. Sie habe versucht, die Aura und Ausstrahlung der Objekte «hervorzuzaubern», mit ihrer alten Technik.
Fürs Publikum
Diese Werke wie auch die ganz neuen wird sie der Öffentlichkeit präsentieren. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Ethnologie fassbar», am 7. Juni abends um 18 Uhr. Dazu zeigt sie Filme von ihren Aufenthalten in Papua-Neuguinea, darunter einen Virtual-Reality-Film.

Burgos hat deshalb auch erstmal vor allem Objekte aus Papua-Neuguinea für ihre Arbeiten im MKB ausgewählt. Bereits im Vorfeld tauchte sie in die Museumsdatenbank und Archive ein, traf Ozeanien-Kuratorin Beatrice Voirol und auch den ehemaligen Kurator Christian Kaufmann.
Es sei ein gegenseitiger Austausch von Wissen, meint Burgos. Sie habe bereits viel gelernt. Sie schwärmt vom Fotoarchiv, wo sie sehen kann, wie gewisse Objekte benutzt worden waren, was ihr Zweck war.

Sie wird aber noch weitere Objekte suchen. Ihr Augenmerk liegt auf Gegenständen mit bestechenden Formen oder auf solchen, die in Zeremonien benutzt worden sind. Die eine gewisse Spiritualität in sich haben. Burgos sagt: «Diese Objekte haben viel zu erzählen. Wir sprechen miteinander.»”

contact: themariwaiproject@proton.me
instagram: @the.mariwai.project
